Gloomaar Festival 2018

Eine Band mehr, ein paar Leute mehr und... mehr Bier! Das kann das zweiköpfige Schnapsunmetal-Monster beim zweiten Gloomaar-Festival feststellen. Neben dem leicht verteuerten Bit und Benediktiner (0,33 für €2,50) sorgt ein mobiler Tresen mit Astra, Duckstein und zwei Sorten Grimbergen für ungläubiges Staunen. Ansonsten kann man sich Weißwein, Cremantchen, Brezeln und (wieder) Back-to-smoke-Burger einverleiben.

Wieder cool, dass es die Verkaufszone hinter der Bühne gibt, wo Bandmitglieder und Kollegen herumlümmeln. Macht einfach mehr Spaß dort Schallplatten CDs und Shirts zu kaufen als im Versand oder Laden. Tommaxgraphic, die hinter den tollen Plakaten und Grafiken des Festivals steckt, ist anzutreffen und verschenkt Poster.

Neuer Komfort für müde Zuschauer: Mehr Sitzplätze. Reservieren ist da besser vorher ins Auge gefasst worden. Wir sind natürlich vor die Bühne gesteppt und haben uns die sieben Bands ohne Haxenschmerzen reingezogen. Der Sound ist generell gut, mit ein paar Schwierigkeiten bei manchen Gruppen. Übrigens ist dieses Jahr gar keine Gurkenkapelle dabei, wie streng genommen letztes auch nicht.

16:30 Uhr: Die einzige Band aus näherer Umgebung, Flares, darf leider nur vier Titel präsentieren. Diese verdeutlichen dafür die Qualität der zurückhaltend auftretenden Saarländer. Ehrlich gesagt bin ich ziemlich verblüfft so früh eine so routinierte Vorstellung wahrnehmen zu dürfen. Auf Vokalist wird verzichtet, was kaum verwunderlich ist. Schließlich konzentrieren sich die meisten Gruppen heute Abend auf die Musik.

17:25 Uhr: Die norwegische Kombo Soup wird als Geheimtip gehandelt. Für besondere Tiefe im Repertoire tun die fünf Herren viel. Keyboards im Dreieck aufgestellt, zwei Gitarren kooperieren, extrem frickelnder Bassist lebt sich aus und in den Hintergrund gemischter Schlagzeuger darf zu Beginn Trip-Hop-artig anschlagen. Der Sänger traut sich stimmlich viel zu und es funktioniert. Besonders spektakulär ist das Zusammenspiel von Bassist und der Orgel des Sängers. Da wird sogar Steven Wilson neidisch. Das experimentelle Rumgespiele vom Gitarristen am Verstärker hätte ich dagegen nicht gebraucht.

18:35 Uhr: Dool ist die erste Gruppe, die richtig losrockt und mit heftiger Lautstärke die Ohren betäubt. Zu Beginn gönnen sich die holländischen Diven allerdings aufgrund von Soundmängeln eine schöpferische Pause. Schlagzeuger und Bassist sind von den ehemaligen "The Devil's Blood" rübergewechselt. Ryanne van Dost am Mikro ist übrigens eine interessante Erscheinung mit 'nem Haufen Power und später noch im Verkaufsbereich rumgeturnt. Die Mucke der in Richtung Goth'n'Roll tendierenden Kombo ist vollkommen tauglich, aber verglichen mit den anderen Künstlern am heutigen Abend konventionell.

Bands
Flares
Soup
Dool
Toundra
And so I watch You from afar
Riverside
Harakiri for the sky

Gloomaar Festival

17. November 2018 Gebläsehalle Neunkirchen - Alternative

19:45 Uhr: Toundra aus Spanien zeigen sich sehr symphatisch und bescheiden. Mit ihrem progressiven Rock sorgen sie vor zahlreichen Fans aus der Heimat für eine verträumte Atmosphäre, in der ich etwas wegdämmere. Gesang gibt's keinen, dafür einige gelungene Melodien der Gitarrenfraktion. Absolut nicht verkehrt.

21:05 Uhr: Den irischen Musik-Erfindern And so I watch You watch You from afar raucht als allererstes der Verstärker rechts ab. Daraufhin wird nett improvisiert, bis ein traditionelles Qualitätsprodukt angeschlossen ist. Diese Gruppe nimmt die Sache mit der Progressivität ernst. Aus der elektronischen Musik abgeleitete Rhythmen, Simple-Minds-Gitarren-Klänge, verwurschteltes Gefrickele und unzählige abgefahrene Nuancen sind für so manchen Zuschauer zu viel. Trotzdem bleiben noch genügend irre Fans, die sich an diesem Kuddelmuddel erfreuen.

22:30 Uhr: Die Hauptband des Abends ist Riverside aus Polen. Sofort wird klar, warum man sie dazu auserkoren hat. Hier bekommen die Zuschauer eine reibungslose Show mit ausgeklügeltem Sound, prachtvolle Lichttechnik und routinierte Post-Rock-Meister zu sehen und hören. Die Arrangements sind sehr gefällig und schunkeltauglich, aber auch etwas zahm und vorhersehbar. Die Musikanten praktizieren jedenfalls eine Stilrichtung, mit der sich wirklich jeder Anwesende anfreunden kann. Verständlich, dass die hier hart abgefeiert werden.

00:35 Uhr: Die einzige Metalband Harakiri for the sky aus Österreich muss als Black Night Special ran. Da sind viele bereits nach Hause gefahren. Kaum Zeit und noch weniger Lust zum Soundcheck? Jedenfalls gibt es auch hier anfänglich klangliche Probleme. Ich schreibs hier hinter vorgehaltener Tastatur: Die Jungens spielen tatsächlich etwas in Richtung Gothic Metal, sodass so manch Gotiker aus dem Sarg fährt und sich die Haarfollikel in vorfreudige Spannung versetzen. Womöglich mag mancher behaupten, die verwursten nur bekannte Muster von Insomnium oder Swallow the Sun, aber du machst einfach nix falsch, wenn du die Instrumente richtig einstellst und voll aufdrehst. Die Gitarren spielen so harmonisch die Tonleiter rauf und runter, dass man auf kurz oder lang mitgerissen wird. Das hätte auch Sentenced nicht besser hinbekommen. Wobei die Österreicher natürlich deutlich derber zur Sache gehen. Insbesondere der Sänger schleppt sich voller Verzweiflung über die Bühne, während die umgebenden Kollegen rabiat abschreddern. Ein passender Ausklang des Festivals!